Gedanken zu München

Pray-for-munich-terror-attackNeben persönlichen Beweggründen hat das Thema für mich auch irgendwie mit Schule zu tun. Zunächst muss ich sagen, dass ich diese Stadt liebe. Das Lebensgefühl, die Menschen, die Sehenswürdigkeiten sowie die vielen kleinen und großen Plätze, die zum verweilen einladen. Umso mehr war ich gestern schockiert, berührt und verletzt zugleich. Wieso in meinem München?!

Es ist so schlimm zu sehen, dass neun Menschen wegen einem Täter ihr Leben lassen mussten und eine ganze Stadt ihre Lebenslust und Freude verliert. Eine Stadt, die ich oft und gerne besucht habe. Positiv zu vermerken ist, dass unsere Medien ausnahmsweise keine Verbindung zu Religionen ziehen, während ausländische Medien wie in den USA dies tun. Hierzulande also kein Futter für AfD und Co. Erstmal.

Welche Gründe könnte der Täter gehabt haben? Aus einem Video, das ich mir angeschaut habe, geht hervor, dass der Täter in Behandlung und in Vergangenheit ein Opfer von Mobbing war. Auch wenn er nicht klar zu erkennen ist, sieht man im Video durch seine Körpersprache, wie hilflos er ist. Ich möchte keinesfalls Mitgefühl aussprechen, aber dieser Typ muss echt krank gewesen sein, um zu so einer Tat bereit zu sein.

Ich fühlte mich ebenfalls hilflos. Ich habe eine gute Hand voll Freunde in München. Ich wusste nicht, ob es ihnen allen gut ging. Ich war bemüht, Informationen im Internet und in den sozialen Netzwerken zu finden. Nun frage ich mich aber auch, wie würde ich mit diesem Thema in der Schule umgehen?!
Ich sehe es als meine Aufgabe, die SuS korrekt darüber aufzuklären. All das, was Fremdenhass schüren könnte, würde ich negieren. Viel wichtiger wäre aber meine perspektivische Aufgabe. Der Grund, wieso ich Lehrer werden wollte. Förderung des Miteinanders. Ich denke, der Täter ist ein armer Hanswurst gewesen. Ein Aussenseiter, der zu oft gemobbt wurde. Unsere Gesellschaft ist nur zukunftsfähig, wenn wir als Lehrkräfte aber auch als Menschen so etwas nicht dulden. Wir müssen offener sein und mehr Courage für unsere Mitmenschen zeigen. Es wird immer den einen Typen in der Klasse, später den einen im Büro und diesen einen Nachbarn geben, dem man die Tür zur Gesellschaft und zum Zusammensein zuschlägt, weil er andersartig ist.

In diesen Tagen sehe ich meine Aufgabe immer mehr darin, junge Menschen darin zu fördern, gesellschaftsfähig zu sein und moralische Werte zu verinnerlichen. Ebenfalls erscheint es mir besonders wichtig, Medien zu hinterfragen. Der Polizeisprecher aus München hat gute Arbeit geleistet, aber wann ist das sonst so? Hand auf’s Herz. Vorher dachte halb Deutschland bestimmt, dass der IS dahinter steckt.

Anderssein ist nicht nur in Klassen, Städten und Ländern eine schwierige Sache. Alles Böse wird seinen Ursprung haben. Vielleicht auch bei uns, weil wir irgendwann mal nicht gut waren. Das Produkt besteht aus Opfern, trauernden Angehörigen und zerstörten Existenzen. In diesem Sinne bete ich für alle Menschen aller Religionen und Herkünfte diese schwierige Zeit in unserer Welt zu überstehen. Ich wünsche mir, dass alle mal nach links und rechts schauen, empathisch ihren Mitmenschen gegenübertreten und ein wenig mehr Liebe als Hass in ihre Herzen lassen. #prayformunich #prayfortheworld

Sommerferien

periscope-284421_640Sie waren nicht sehr weit weg, aber die Zeit zog sich wie ein Kaugummi. Sommerferien. Ja, richtig. In meinem Bundesland fangen sie ganz offiziell morgen an. Anlässlich dieses wunderschönen Ereignisses gibt es heute nur einen kurzen Beitrag, aber ich habe in den Ferien viel vor. Dazu am Ende mehr…

Zunächst einmal: Wie waren die letzten Tage? Da ich zur Zeit nur in der Hospitation war und angeleitet unterrichtet habe, waren die letzten Schultage vor den großen Ferien doch eher ein Überraschungsei. Nur ohne Schokolade drum herum. Kein Unterricht. Versteht sich. Aufsicht auf dem Sportfest. Aufsicht auf einem Wandertag. Ein eigenes Projekt am Projekttag. Das alles bei der Klasse, die ich kommendes Schuljahr hauptsächlich alleine in den Fächern Deutsch und Philosophie unterrichten werde.

Die Tage haben mich und die Klasse auf jeden Fall sehr zusammengeschweißt. Ich habe ein gutes Gefühl, wobei mir die Nähe, die die SuS suchen, teilweise Angst macht. Nächstes Jahr muss ich diese anstrengenden und doch tollen Kinder objektiv und fair bewerten. Mal gucken, was daraus wird…

Jetzt geht es aber um die Sommerferien. Wer freut sich nicht darauf, 6 Wochen zu entspannen?! Mal hier und da in ein Didaktik- und Methodenbuch schauen. Ok, das geht immer, aber Grillen und Cocktails schlürfen ist doch cooler. Irgendwie waren auch die letzten Tage durch die Gewissheit auf Ferien doch eher ein Kampf. Die Zeiger der Klassenuhr hämmerten in Zeitlupe. Tock. Tock. Tock. Ich habe immer wieder durchgeatmet und mir einen Ruck gegeben. Nicht nur um die SuS zu begeistern, sondern auch mich selbst. Viele Sachen, die sich in Schulen ritualisieren (z. B. Ausflugsziele, Themen für Projekttage, Sportarten für das Sportfest usw.) machen mir selbst einfach keinen Spaß. Wie soll ich dann den SuS verkaufen, dass es für sie sinnvoll ist?! Egal. Um so wichtiger wurde für mich das Ziel: Freitag, 10:25 Uhr. Nach der Zeugnisausgabe ging ich locker ins Lehrerzimmer und beobachtete vom Fenster aus, wie die SuS vom Schulhof strömten. Die Vorfreude auf die Auszeit war für mich die gleiche wie damals. Ich denke auch, dass SuS und Lehrer/innen dies gemeinsam haben, nur dass ich nicht so eine Euphorie versprüht habe. Naja, ich bin auch gerade aus dem Studium raus und hatte regelmäßig Semesterferien von 8 bis 12 Wochen.
Die 6 Wochen nutze ich auf jeden Fall dafür, alle negativen und positiven Eindrücke Revue passieren zu lassen, um zum Neustart im Schuljahr 2016/17 völlig neutral und cool in die Schule zu gehen. Das ist mir super wichtig. Egal, mit wem man mal aneckte. Wichtig ist doch, dass man im neuen Jahr alles auf Null setzt und total entspannt in die Zukunft blickt. Das Referendariat wird mich schon genug in die Knie zwingen!

Was mache ich in den kommenden Wochen? Ja klar, Urlaub! Ich werde aber auch für euch schreiben. Ich habe da noch einige Anreize und Ideen, die ich in den letzten Wochen gesammelt habe. Selbstverständlich interessiert mich auch die Zukunft. Was wird auf mich zukommen? Wenn mir sonst nichts einfällt, werde ich fachsimpeln und irgend einen Theoriekram auseinander nehmen und thematisieren.

Bis dahin wünsche ich schöne Sommerferien und freue mich auf viele Leserkommentare in den kommenden 6 Wochen!

Eingangs- und Perspektivengespräch

meeting-1020228_640So nun, der versprochene Beitrag zum ersten Besuch. Bevor ich jetzt anfange, erkläre ich erst nochmal für die Leute, die es nicht kennen, was ein Eingangs- und Perspektivengespräch (kurz EPG) eigentlich ist. Das EPG ist ähnlich aufgebaut wie ein normaler Unterrichtsbesuch. In der Vorbereitung erhalten Seminarleitung, Mentor sowie Ausbildungsbeauftragte (kurz ABB) einen Prozessverlauf bzw. eine Unterrichtsskizze und alle Materialien, die für die Stunde relevant sind, per E-Mail zugeschickt. Am besten 1-2 Abende vorher. Wie ein Besuch eben. Nur anders. Das EPG als Nachgespräch dient dazu, die Fähigkeiten und Kompetenzen aus dem Kerncurriculum für die Lehrerausbildung zu betrachten und zu reflektieren, was kann ich eigentlich und was kann ich gar nicht. Benotet wird die gezeigte Stunde jedoch nicht. Wie war’s denn nun? „Eingangs- und Perspektivengespräch“ weiterlesen

Am Ende des Tages

sunset-193304_640Es gibt gute und es gibt schlechte Tage. Viele berichten von den schlechten, aber ich möchte jetzt diesen Bann brechen und über etwas positives schreiben. Ja, richtig gehört. In diesem Momente haue ich in die Tasten und habe ein lächeln im Gesicht. Die Muskeln in meinem Gesicht sind schon angespannt vom Grinsen. Nicht wegen meinem Unterrichtsbesuch und Perspektivengespräch, das heute stattgefunden hat. Darüber berichte ich am Ende der Woche. Was ist der überaus schöne Grund dafür, dass ich heute glücklich bin?  „Am Ende des Tages“ weiterlesen

Kraft tanken

running-1245640_640In den meisten Bundesländern ist das Referendariat verkürzt worden. In meinem Fall dauert das Referendariat inkl. 10 Unterrichtsbesuchen 18 Monate. Klingt nach viel Zeit?! Nein, nach sehr wenig Zeit! Die erste 1 1/2 Monate meines Referendariats vergingen wie im Flug. Man bekommt viele neue Eindrücke, lernt Unmengen an neuen Menschen kennen und muss sich all das, was man irgendwann im Studium gelernt hat, ins Gedächtnis rufen und für SuS aufbereiten bzw. „reduzieren“. Referendariat heißt, 18 Monate durchpowern. Wie gehe ich mit diesem Marathon um? „Kraft tanken“ weiterlesen