Rezept zum Bestehen

Sicherlich fragen sich einige Leserinnen und Leser, weshalb ich lange Zeit inaktiv war. Der Grund ist: Erfolg! Ich habe die letzten Monate und Wochen meine letzten Unterrichtsbesuche bestreiten dürfen und kann stolz auf einen Durchschnitt von 1,25 als Vornote für das 2. Staatsexamen blicken. Bevor ich künftig meine Erfahrungen aus dem Referendariat und aus der Schule teile, möchte ich ein Rezept zum Bestehen dieser Zeit aufstellen. Zufällig benötigt man dafür keine Ausbildung zur Akrobatik (in Anlehnung an die sog. Zauberstunden) und keine schwarze Magie. „Rezept zum Bestehen“ weiterlesen

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Unterwegs in einem anderen Kosmos

universe-1044107_1920Nein, dieser Beitrag zum Sonntag hat nichts mit Esoterik oder Astronomie zu tun. Schule ist für mich ein soziales und komplexes Geflecht – ein eigener Kosmos oder auch eine ganz eigene Welt, die einen komplett einsaugen kann. Heute will ich einfach mal die letzten Wochen und letzten Beiträge Revue passieren lassen uvm.

Zunächst möchte ich mich bei den Lesern bedanken, die mit ihren Kommentaren diesen Blog für mich lohnenswert machen, wie auch bei den lieben „Verfolgern“ auf Twitter, die meine Beitrage teilen und liken. Grandios! Weltklasse! Einsame Spitze! Danke.
Worum geht es heute? Ich habe die letzten Beiträge von mir alle angeguckt und habe bemerkt, dass zeitweise ein negativer Unterton mitschwingt. Besonders deutlich wurde mir dies, durch das Feedback meiner lieben Abonnentinnen und Abonnenten. Ich denke, ich sollte das nochmal klarstellen. Schule ist gar nicht so schlimm. Auch nicht das Referendariat. Gegenteilig muss ich sagen, dass es mir eigentlich Spaß macht. Sollte ich wirklich so frustriert sein, sollte ich mir ernsthaft überlegen, ob der Beruf bis zur Rente der richtige ist. Von Kollegen und Fachleitern bekomme ich schöne Rückmeldungen, die mich motivieren und wenn ich ehrlich bin, ich weiß wofür ich das alles mache: Es ist einfach hammer! Ich wollte Lehrer werden, wegen all dem, was ich jetzt mache. Ich will (Co-)Klassenlehrer sein, jungen Menschen einen Weg sowie Optionen aufzeigen, dem Kollegium helfen und ein „Junge“ (Kein MÄDCHEN! Ganz wichtig!) für alles sein.
Mehr und mehr gehe ich mit den Dingen auf meine Art um und ich glaube, das tut mir gut. Genau deswegen bin ich auf dem richtigen Weg. Ich bin zur Zeit auf  dem Weg zur Selbstfindung und kriege immer mehr Bestätigung und daran habe ich die letzten Beiträge nicht gedacht. Ich habe damit eine schöne und positive Schlussfolgerung für mich selbst gezogen.

Dennoch merke ich, dass ich öfter aus dem Kosmos Schule fliehen muss. Vermutlich ist darin auch meine Abstinenz vom Blog ein wenig begründet. Immer mehr habe ich in der letzten Zeit im Freundeskreis und in der Familie den Finger wie ein Lehrer gehoben. Lehrende/leerende Worte. Ganz oft will man sich einfach nur „leeren“, weil man nur noch Schule im Kopf hat, und geht damit allen Menschen auf den Keks.
Der Abstand vom Blog und Twitter tat mir gut. Der Abstand von der Schule sowieso. Ich bin mit Vor- und Nachbereitungen gut 35-40 Stunden die Woche mit Schule beschäftigt. Ich bin mit Herz und Seele dabei. Ich nehme mir Probleme meiner SuS zu Herzen und denke oft nach. Ich nehme Sorgen und Probleme auch mit nach Hause. In einigen meiner Beiträge habe ich es oft gesagt und möchte es hier betonen: Jetzt bin ich mittendrin und zu keinem Zeitpunkt war es so deutlich, dass ich auch wieder in meinen alten Kosmos zurückkehren muss, um glücklich zu sein. Also Abstand vom Blog. Musik an. Musik aus. Eigene Musik gemacht. Ich bin wieder mit meinen Jungs unterwegs gewesen, habe Musik gemacht, Sport getrieben und habe einfach gelebt. Das brauche ich einfach, um meinen Job auf meine Art und Weise zu machen und meine Identität zu behalten. Ich denke meine Persönlichkeit in der Schule ist stark von meiner privaten geprägt. Das ist auch gut so! Das Feedback wäre garantiert anders ausgefallen, wenn ich mich in der Schule verliere und ein Zombie werde. Gehirne werden ja schon genug gefressen… Zum Glück bin ich kein Mathelehrer.

An die Referendare unter uns: Egal, wie sehr ihr an Schule hängt oder wie wichtig es auch ist, weil ihr Angst habt zu versagen, macht weiter mit eurem Leben! Wenn ihr für den Job gemacht seid, habt ihr es nicht nötig 24/7 nur noch von Schule zu leben. Geht raus. Lebt euer Leben. Lebt in eurem Kosmos und traut euch auch mal die Tür zu schließen, die zur Schule geht. Wir sind alle (so hoffe ich) tolle Menschen, weil wir eine besondere Passion innehaben. Wir müssen diese Menschen bleiben, die wir sind, damit wir in 10 Jahren nicht so sind wie die Lehrer/innen, die wir immer gehasst haben. Ist nur eine Vermutung. Vielleicht berichte ich in 10 Jahren auf diesem Blog, wie ich darüber denken werde. Vielleicht auch nicht. Jetzt ist aber auch Schluss!

In diesem Sinne, schöne Ferien noch!

PS: Ich war jetzt genug in meinen Gefilden unterwegs. Ich glaube, ich werde wieder mehr bloggen. 😉 Du hast einen RS-Fehler gefunden? Behalte ihn! Ich hatte jetzt einen Stapel arbeiten korrigiert. Ich habe keine Lust mehr zu lesen!

Es geht an’s Eingemachte (1 von 10)

jam-428094_640Ich bin schon äußerst positiver Dinge. Ich habe jetzt in wenigen Tagen eine, wie ich denke, sehr solide Stunde geplant. Die Entwürfe sollen wir zu Anfang noch recht kurz halten, da wir noch nicht so lange im Seminar sind, aber ich habe für mich die Messlatte etwas höher gelegt.

Inhaltlich habe ich versucht soweit wie möglich, in kürzester Zeit so viel wie möglich zu schreiben. So habe ich 3/4 eines schriftlichen Entwurfs schon einmal erreicht. Mal gucken, wie der bewertet wird.
Was mache ich so? Ich gehe jetzt nichts ins Detail, mache ich die Tage nach der Bewertung. Kurze Info: Philosophie. Thema: Armut und Reichtum – Kinder in der 3. Welt. Ich benutze einen Beamer, um einen Verlaufsplan zur Transparenz für die SuS an die Wand zu werfen. Mit diversen Animationen etc. habe ich es geschafft, einen Timer bzw. Countdown in die Präsentation einzufügen, damit die SuS in den Arbeitsphasen wissen, wie viel Zeit sie haben. Ich versuche mich morgen mit einem stillen Impuls (Bildbeschreibung) und einem Lerntempo-Duett.

Daumen drücken! Ich bin guter Dinge. Ich habe mich kaum verrückt gemacht und lasse jetzt entspannt das Wochenende ausklingen.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

work-1201543_1920Ja, lange habe ich nichts geschrieben. Nein, ich brenne noch nicht aus. Doch im Studium dachte ich, als ich nebenbei arbeiten musste, mir ginge es schlecht. Ich will nicht sagen, mir gehe es zu diesem Zeitpunkt schlecht, aber es war mal besser. Die Lehrjahre. So ist das (L)eben.

Wie fühle ich mich zur Zeit? Wie in einem schlechten Film. Die Mentoren, die dich angeleitet in den Unterricht mitnehmen, lassen dich bis auf ein kurzes Feedback im Regen stehen. Im Grunde genommen plant man komplett alleine und hat im Unterricht Zwischenrufe, weil der Kollege am liebsten selbst unterrichten würde. Was mir bisher der angeleitete Unterricht gebracht hat? NICHTS!

Das Referendariat ist wie ein verdammt langes Praktikum. Im Schulalltag fallen natürlich neben dem Tagesgeschäft auch sonstige Aufgaben an. Papierkram. Elterngespräche. Gequatsche. Tja. Jetzt steht ein Besuch der Schulinspektion (in NRW auch Qualitätsanalyse) ins Haus. Lehrpläne werden wild umgeschrieben. Konzepte werden in die Tasten gehämmert. Und? Wer darf den ganzen Kram überarbeiten in puncto Formatierung? In den Ferien? Wer darf einheitliche Deckblätter erstellen? ICH! Natürlich lehne ich das nicht ab, weil ja immer betont wird, man habe ein Stein im Brett. Wie viele Steine denn bitte noch? Wären es so viele Steine, gebe es auf der Welt keine Kiesgruben mehr. Selbst schuld! Wieso mache ich auch alles mit? Ich will ja auch nicht unhöflich erscheinen.

Weiter geht’s. Der Kollege mit der Funktionsstelle (eine Besoldungsgruppe höher) für die Öffentlichkeitsarbeit kommt auf mich zu. Armer Kerl, weil er eine Stelle bekommen hat, für die er nicht qualifiziert ist. Ohne das böse zu meinen, denn er ist ja doch ein netter Kerl, aber er kann halt überhaupt nicht mit Medien umgehen. Natürlich heißt es auch hier wieder von der Schulleitung, dass ich ein Stein im Brett habe und dass es sich sehr positiv auf meine Bewertung am Ende auswirken werde, wenn ich doch dem Kollegen helfen würde. Helfen heißt für mich HELFEN. Ich darf alleine eine komplette Schulhomepage erstellen und den Kollegen in die Handhabe des Back-End einführen, damit er weiterhin Content einstellen kann, wenn ich mal die Segel streiche. Die Frage ist doch: „Wer hilft mir?“

Co-Klassenlehrer. Eine Geschichte für sich mit einer Kollegin, die glücklicherweise großes Verständnis für meine Ausbildung hat. Denkt ihr ich wurde dennoch gefragt, ob ich Co-Klassenlehrer werden möchte? NEIN! Ich mag die Kids echt gerne, aber es gibt Grenzen meiner verfügbaren Ressourcen. Jetzt habe ich Elternabende und lästige -Gespräche vor mir, Wander- sowie Projekttage. Kurze Frage: Wann mache ich eigentlich meine Planungen und Vorbereitungen für Besuche? Wegen der Qualitätsanalyse bin ich gefühlt jede zweite Woche nachmittags in Konferenzen und muss mir anhören, wie sich Kollegen beim diskutieren im Kreis drehen.

Ich könnte den lieben langen Beitrag weiter schreiben und locker noch 4-5 Stories auspacken, aber das würde den Rahmen sprengen. Worum es mir bei diesem Beitrag geht, der auch ein wenig meine Abstinenz vom Bloggen begründet? Sollte es da draußen jemanden geben, der jetzt gerade meinen Blog liest, weil er sich überlegt Lehrkraft zu werden, dann denk bitte gut nach! Das Referendariat besteht aus 1 1/2 Jahren unendlicher Arbeit. Die SuS sind nicht einmal annähernd so Kräfte ziehend wie der ganze Mist (siehe Titelbild), der zu dir geschoben wird, damit du ihn erledigst. Ja, tolle Bewertungen hin oder her. Lasst euch von sowas nicht blenden! Habt ihr eine launische Schulleitung sind gute Taten auch wieder schnell vergessen. Also reißt euch nicht umsonst den Allerwertesten auf.
Ich will auch wirklich niemanden abschrecken, aber man braucht ein verdammt dickes Fell. Wie ich damit umgehe? Ich gehe regelmäßig zum Sport, mache mit den Kids ab und zu mal einen Spaß und nehme sehr viel positive Energie aus neu gewonnenen Freundschaften mit jungen Kollegen. Sonst hätte es schon geknallt. Glaube ich.

Haltet euch definitiv an etwas fest, was euch diese Zeit überstehen lässt. Danach wird es hoffentlich nur noch besser. Oder?

Eingangs- und Perspektivengespräch

meeting-1020228_640So nun, der versprochene Beitrag zum ersten Besuch. Bevor ich jetzt anfange, erkläre ich erst nochmal für die Leute, die es nicht kennen, was ein Eingangs- und Perspektivengespräch (kurz EPG) eigentlich ist. Das EPG ist ähnlich aufgebaut wie ein normaler Unterrichtsbesuch. In der Vorbereitung erhalten Seminarleitung, Mentor sowie Ausbildungsbeauftragte (kurz ABB) einen Prozessverlauf bzw. eine Unterrichtsskizze und alle Materialien, die für die Stunde relevant sind, per E-Mail zugeschickt. Am besten 1-2 Abende vorher. Wie ein Besuch eben. Nur anders. Das EPG als Nachgespräch dient dazu, die Fähigkeiten und Kompetenzen aus dem Kerncurriculum für die Lehrerausbildung zu betrachten und zu reflektieren, was kann ich eigentlich und was kann ich gar nicht. Benotet wird die gezeigte Stunde jedoch nicht. Wie war’s denn nun? „Eingangs- und Perspektivengespräch“ weiterlesen

Ziele entwickeln – Eingangs- und Perspektivengespräch

destination-1285851_640Ich habe mich dieses Wochenende mit dem Eingangs- und Perspektivengespräch (kurz EPG) beschäftigt. Einige werden es kennen, andere aber auch nicht, daher erkläre ich kurz einmal, wozu dieses Gespräch dienen soll. Vor dem EPG muss der LAA zunächst einmal (selbst-)reflektieren. Dabei sollte man schon recht ehrlich zu sich selbst sein, denn durch das EPG sollen hauptsächlich Ziele für das Referendariat erarbeitet werden. Welche Ressourcen bringe ich mit und welche muss ich mir noch schaffen? Bei dem EPG wird ein fachfremder Seminarleiter zu einem nicht bewertbaren Unterrichtsbesuch eingeladen. Die im Vorfeld festgelegten Ziele werden mit der Seminarleitung anhand der gezeigten Stunde ggfls. gemeinsam konkretisiert und erweitert. Dabei werden mögliche Indikatoren, Etappen und Hilfestellungen besprochen und festgelegt. Wie bereite ich mich auf den Kram nun vor? „Ziele entwickeln – Eingangs- und Perspektivengespräch“ weiterlesen

Der Sprung ins kalte Wasser

jetty-1053360_640„Willste nicht auch mal?!“ – Ja klar, will ich auch mal! Die ersten konkret „angeleiteten“ Stunden stehen nun an. Dieses Wochenende saß ich also kurze Zeit am Schreibtisch und habe mich mit der Planung und Strukturierung zweier Deutschstunden beschäftigt. Aufregung? Naja, vielleicht ein bisschen. Die größten Bedenken, die wohl uns alle treffen, hat die Planung inne. Oft ist man sich der Struktur einer Unterrichtsstunde nicht so bewusst. Sind wir mal ehrlich: Haben wir früher als SuS gedacht, dass Lehrer großartig planen? Nein! Stunden können jedoch sehr komplex sein. Dieser Artikel soll das Grundgerüst jeden Unterrichts darlegen und euch Anreize und Planungshilfen geben. 
„Der Sprung ins kalte Wasser“ weiterlesen