Es geht an’s Eingemachte (1 von 10)

jam-428094_640Ich bin schon äußerst positiver Dinge. Ich habe jetzt in wenigen Tagen eine, wie ich denke, sehr solide Stunde geplant. Die Entwürfe sollen wir zu Anfang noch recht kurz halten, da wir noch nicht so lange im Seminar sind, aber ich habe für mich die Messlatte etwas höher gelegt.

Inhaltlich habe ich versucht soweit wie möglich, in kürzester Zeit so viel wie möglich zu schreiben. So habe ich 3/4 eines schriftlichen Entwurfs schon einmal erreicht. Mal gucken, wie der bewertet wird.
Was mache ich so? Ich gehe jetzt nichts ins Detail, mache ich die Tage nach der Bewertung. Kurze Info: Philosophie. Thema: Armut und Reichtum – Kinder in der 3. Welt. Ich benutze einen Beamer, um einen Verlaufsplan zur Transparenz für die SuS an die Wand zu werfen. Mit diversen Animationen etc. habe ich es geschafft, einen Timer bzw. Countdown in die Präsentation einzufügen, damit die SuS in den Arbeitsphasen wissen, wie viel Zeit sie haben. Ich versuche mich morgen mit einem stillen Impuls (Bildbeschreibung) und einem Lerntempo-Duett.

Daumen drücken! Ich bin guter Dinge. Ich habe mich kaum verrückt gemacht und lasse jetzt entspannt das Wochenende ausklingen.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

work-1201543_1920Ja, lange habe ich nichts geschrieben. Nein, ich brenne noch nicht aus. Doch im Studium dachte ich, als ich nebenbei arbeiten musste, mir ginge es schlecht. Ich will nicht sagen, mir gehe es zu diesem Zeitpunkt schlecht, aber es war mal besser. Die Lehrjahre. So ist das (L)eben.

Wie fühle ich mich zur Zeit? Wie in einem schlechten Film. Die Mentoren, die dich angeleitet in den Unterricht mitnehmen, lassen dich bis auf ein kurzes Feedback im Regen stehen. Im Grunde genommen plant man komplett alleine und hat im Unterricht Zwischenrufe, weil der Kollege am liebsten selbst unterrichten würde. Was mir bisher der angeleitete Unterricht gebracht hat? NICHTS!

Das Referendariat ist wie ein verdammt langes Praktikum. Im Schulalltag fallen natürlich neben dem Tagesgeschäft auch sonstige Aufgaben an. Papierkram. Elterngespräche. Gequatsche. Tja. Jetzt steht ein Besuch der Schulinspektion (in NRW auch Qualitätsanalyse) ins Haus. Lehrpläne werden wild umgeschrieben. Konzepte werden in die Tasten gehämmert. Und? Wer darf den ganzen Kram überarbeiten in puncto Formatierung? In den Ferien? Wer darf einheitliche Deckblätter erstellen? ICH! Natürlich lehne ich das nicht ab, weil ja immer betont wird, man habe ein Stein im Brett. Wie viele Steine denn bitte noch? Wären es so viele Steine, gebe es auf der Welt keine Kiesgruben mehr. Selbst schuld! Wieso mache ich auch alles mit? Ich will ja auch nicht unhöflich erscheinen.

Weiter geht’s. Der Kollege mit der Funktionsstelle (eine Besoldungsgruppe höher) für die Öffentlichkeitsarbeit kommt auf mich zu. Armer Kerl, weil er eine Stelle bekommen hat, für die er nicht qualifiziert ist. Ohne das böse zu meinen, denn er ist ja doch ein netter Kerl, aber er kann halt überhaupt nicht mit Medien umgehen. Natürlich heißt es auch hier wieder von der Schulleitung, dass ich ein Stein im Brett habe und dass es sich sehr positiv auf meine Bewertung am Ende auswirken werde, wenn ich doch dem Kollegen helfen würde. Helfen heißt für mich HELFEN. Ich darf alleine eine komplette Schulhomepage erstellen und den Kollegen in die Handhabe des Back-End einführen, damit er weiterhin Content einstellen kann, wenn ich mal die Segel streiche. Die Frage ist doch: „Wer hilft mir?“

Co-Klassenlehrer. Eine Geschichte für sich mit einer Kollegin, die glücklicherweise großes Verständnis für meine Ausbildung hat. Denkt ihr ich wurde dennoch gefragt, ob ich Co-Klassenlehrer werden möchte? NEIN! Ich mag die Kids echt gerne, aber es gibt Grenzen meiner verfügbaren Ressourcen. Jetzt habe ich Elternabende und lästige -Gespräche vor mir, Wander- sowie Projekttage. Kurze Frage: Wann mache ich eigentlich meine Planungen und Vorbereitungen für Besuche? Wegen der Qualitätsanalyse bin ich gefühlt jede zweite Woche nachmittags in Konferenzen und muss mir anhören, wie sich Kollegen beim diskutieren im Kreis drehen.

Ich könnte den lieben langen Beitrag weiter schreiben und locker noch 4-5 Stories auspacken, aber das würde den Rahmen sprengen. Worum es mir bei diesem Beitrag geht, der auch ein wenig meine Abstinenz vom Bloggen begründet? Sollte es da draußen jemanden geben, der jetzt gerade meinen Blog liest, weil er sich überlegt Lehrkraft zu werden, dann denk bitte gut nach! Das Referendariat besteht aus 1 1/2 Jahren unendlicher Arbeit. Die SuS sind nicht einmal annähernd so Kräfte ziehend wie der ganze Mist (siehe Titelbild), der zu dir geschoben wird, damit du ihn erledigst. Ja, tolle Bewertungen hin oder her. Lasst euch von sowas nicht blenden! Habt ihr eine launische Schulleitung sind gute Taten auch wieder schnell vergessen. Also reißt euch nicht umsonst den Allerwertesten auf.
Ich will auch wirklich niemanden abschrecken, aber man braucht ein verdammt dickes Fell. Wie ich damit umgehe? Ich gehe regelmäßig zum Sport, mache mit den Kids ab und zu mal einen Spaß und nehme sehr viel positive Energie aus neu gewonnenen Freundschaften mit jungen Kollegen. Sonst hätte es schon geknallt. Glaube ich.

Haltet euch definitiv an etwas fest, was euch diese Zeit überstehen lässt. Danach wird es hoffentlich nur noch besser. Oder?