Freundschaftsanfrage?

social-1148035_640Ich möchte wohl behaupten, dass die meisten meiner Leserinnen und Leser ein Profil auf mindestens einer sozialen Plattform im Internet angelegt haben. Social Media durchdringt gänzlich unseren Alltag und soziale Netzwerke machen Kommunikation so einfach wie noch nie.

In den großen Sommerferien kam es nun vermehrt dazu, dass mich SuS auf Facebook und Instagram dazu eingeladen haben, mit ihnen „befreundet“ zu sein. Ich setze „Freundschaft“ bewusst in klammern, da es sich nicht um eine Freundschafts-, sondern um eine Kontaktanfrage handelt. Möchte ich behaupten! Das Akzeptieren dieser Anfrage beinhaltet in der Regel ein reziprokes Abonnement, d. h. ich kann regelmäßig neue Inhalte meiner Kontakte in der Timeline lesen und umgekehrt genauso.

Soziale Netzwerke und Lehrer? Kann das zusammen kommen?

Philippe Wampfler hat in seinem Buch „Social-Media-Leitfaden“ ein paar Ansätze für Lehrerinnen und Lehrer formuliert, die den Umgang mit oder ohne sozialen Medien in Verbindung mit SuS begründen. Die „Freundschaft“ in sozialen Netzwerken kann unter Umständen zu Problemen führen. Manchmal sind Eltern recht vorsichtig und auch wenn die Lehrkraft keine entsprechende Absicht hat, kann oft ein falsches Bild entstehen. Na, ihr wisst schon, was ich meine… Welche Lösungen schlägt Wampfler vor?

  1. Man sollte allen an der Schule Teilhabenden die Möglichkeiten bieten, Kontakt aufnehmen zu können und alle geteilten Inhalte für jeden gleichermaßen transparent zu gestalten. Daraus ergibt sich, dass die Lehrkraft konsequent filtern muss, was sie nach außen kommuniziert.

  2. Wer sein gutes Recht auf einen freien Umgang mit sozialen Netzwerken in Anspruch nehmen mag, kann sich mehrere Nutzer-Accounts anlegen. So kann man einen Zugang ausschließlich privat nutzen und einen beruflich. Mehrere Accounts zu betreiben, ist mit einem erhöhten Aufwand verbunden und ist in Netzwerken wie Facebook durch die Nutzungsbedingungen nicht erlaubt.

  3. Eine weitere Lösung kann die Trennung von sozialen Netzwerken sein. Dabei nutzen LuL unterschiedliche Netzwerke für den schulischen und privaten Gebrauch.

  4. Die letzte Möglichkeit beinhaltet die totale Abstinenz von Social Media, d. h. beruflich wie auch privat wird komplett auf soziale Netzwerke verzichtet.

    (Vgl. Wampfler, Philippe (2013): Facebook, Blogs und Wikis in der Schule. Ein Social-Media-Leitfaden. Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG. Göttingen. S. 96 ff.)

Ich habe mich letztendlich dazu entschieden, die SuS auf Facebook anzunehmen, jedoch auf eine eingeschränkte Liste zu setzen. Ich habe mir im Vorfeld eine Freundschaftsliste erstellt, welche nicht alle Beiträge und Inhalt von mir lesen kann. Da packe ich SuS und Kollegen rein. Für diese „Freunde“ poste ich künftig extra Inhalte, die vielleicht relevant für die Schule sind oder die ich einfach für angebracht halte. Das kann ja durchaus mal ein privater Schnappschuss sein.

Wieso mache ich das? Ich ziehe daraus ja auch meine Vorteile. SuS kommentieren, teilen und posten, genauso wie ich es mache. Dabei erfahre ich viel über ihre Interessen und über ihr Nutzungsverhalten in sozialen Netzwerken. Das erlaubt mir Dinge vielleicht im Unterricht zu thematisieren oder aber auch ein gutes Vorbild im Umgang mit sozialen Medien zu sein. Des Weiteren erzeugt es auch Nähe. Die SuS wissen, was ich so kommentiere oder mit „gefällt mir“ markiere, und ich kann Themen in den Unterricht einbringen, die für die SuS alltagsnah sind. Zumindest kenne ich jetzt so viel Kram, von dem ich zuvor niemals gehört hatte.

Ich denke, man sollte sich nicht scheuen, digital mit SuS zu kommunizieren. Sei es über ein Netzwerk extra für die Schule oder über einen privaten Account. Es sollte vorsichtig geboten sein, was man schreibt, und die Kommunikation über private Inhalte sollte vermieden werden, damit es nicht zu unberechtigten Anschuldigungen kommt. Ebenfalls sollte man wirklich jedem die Möglichkeit geben, sich digital mit dir als Lehrer zu verbinden, damit alle gleichberechtigten Zugang zu deiner Person haben. So wie es in der Schule eben auch sein sollte. Das gilt natürlich nur, wenn du mit SuS in sozialen Netzwerken in Kontakt treten willst.

Ich hoffe, ich konnte ein paar Anreize geben, obwohl ich etwas zerstreut meine Gedanken niedergeschrieben habe. Im Endeffekt müsst ihr selbst entscheiden, ob oder ob nicht. Es tut auf jeden Fall nicht weh, wenn man sich im Vorfeld konkret mit den Netzwerken auseinander setzt und diverse Einstellungen der Privatsphäre vornimmt. Auf die einzelnen Möglichkeiten von Social Media für den Unterricht werde ich, so denke ich, noch vertieft eingehen.

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2 Gedanken zu “Freundschaftsanfrage?

  1. Facebook und Instagram sind für uns tabu in Bezug auf SuS. Das einzige, was zwei von uns betreiben, sind whatsapp-Gruppen mit SuS. Dazu haben wir uns Zweithandys und SIM-Karten angelegt. Unsere Privatsphäre ist uns hoch und heilig. Jeder muss wohl für sich entscheiden, wie weit er geht. Für uns in unserem Bundesland gibt es dazu jedoch noch dienstliche Anweisungen, die besagen, dass jeglicher Kontakt mit SuS per facebook zu unterbleiben hat. Damit sind wir schon aus der Diskussion raus. LG aus dem Lehrercafe☕

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