Am Ende des Tages

sunset-193304_640Es gibt gute und es gibt schlechte Tage. Viele berichten von den schlechten, aber ich möchte jetzt diesen Bann brechen und über etwas positives schreiben. Ja, richtig gehört. In diesem Momente haue ich in die Tasten und habe ein lächeln im Gesicht. Die Muskeln in meinem Gesicht sind schon angespannt vom Grinsen. Nicht wegen meinem Unterrichtsbesuch und Perspektivengespräch, das heute stattgefunden hat. Darüber berichte ich am Ende der Woche. Was ist der überaus schöne Grund dafür, dass ich heute glücklich bin? 

Seit einigen Wochen studierte ich mit einer 5. Klasse zur Begrüßung der neuen 5er einen Rap ein. Wie es lief? Überhaupt nicht so gut, wie man es sich gewünscht hätte. Die Proben am letzten Freitag waren eher so … ja … … nicht gut?! Der eine trifft den Takt nicht, der andere tanzt aus der Reihe und der Rest bejubelte die Spinner, die das Projekt zu zerstören versuchten. Ich bin ehrlich: Manchmal finde ich das auch lustig, was die so treiben, aber wenn ich da was umsetzen soll, was die selbst wollen, dann kriege ich da zu viel!

Nichts desto trotz standen die SuS mit den Solo-Rap-Parts in jeder Aufsicht bei mir und rappten mir vor wie die Weltmeister. Sie suchen Nähe. Sie suchen Kontakt. Sie suchen eine Konstante, die für sie da ist. Jemanden der einfach nur zu hört, egal wie belanglos ihre Mitteilungen auch waren. Das habe ich ihnen gegeben. Gerne!

Heute (Dienstag) war nun der Auftritt. Bei den letzten Proben motivierte ich die SuS sehr. Ich klatschte regelmäßig alle kleinen Händchen ab und habe mich für die Leistung bedankt und spornte weiter an. Der Chor gab Vollgas, die Solo-Rapper konnten ihren Text und waren im Takt. Im Takt? SuS der 5. Klasse im Takt?! Ok. Hammer! Sogar die kleinen Stellen an denen schneller gerappt werden musste, saßen perfekt. Der Auftritt vor einer vollen Turnhalle war ein grandioser Erfolg. An dieser Stelle: Danke für die Überraschung!

Warum mir das so wichtig ist? Wieso macht es mich glücklich? Wir waren ein Team, obwohl wir eigentlich „natürliche Feinde“ sind. Na, Lehrer und Schüler sind in der Regel erstmal Gegner. Die wissen es ja auch nicht besser. Also, beide.
In den Probepausen quatschte ich mit ihnen über Spiele, Musik, Filme und Serien. In den letzten Tagen brach eine Freude der SuS aus, wenn ich die Klasse betrat, die mich wirklich überwältigt hatte. Herr Lehrer? Ja, genau sie! Sie sind hier richtig. Der gute Auftritt war nicht nur ein Erfolg für die SuS, sondern auch für mich. Es hat mir gezeigt, dass ich den Job, den ich habe, wirklich will und gerne mache: All diese glücklichen Augen, das Lampenfieber und das Wir-Gefühl. Wundervoll. Selten hat mich in meinen Jobs (und da gab es wirklich viele) und im Beruf ein Tag so berührt wie heute. Ich war wirklich schlapp und hatte kaum Kraft. Unterrichtsbesuch, Seminarvorbereitungen, Haushalt, Freunde, Sport, Sommerferien, alltäglicher Unterricht. Die Liste war lang. Sehr lang. Die SuS haben mir Kraft gegeben, bis zum Ende mitzuziehen. Wir haben etwas erreicht. Es war egal, ob jemand gut oder schlecht war. Wir waren ein Team und haben es als Team perfekt gemacht. Ich durfte diesen Erfolg teilen und mit wundervollen Menschen arbeiten. Mit Kindern, die ihr Herz am rechten Fleck haben! Ich hoffe, dass jeder so bleibt, wie er ist, denn genau so ist die Klasse perfekt. Gewiss wird mir dieser Tag noch lange in Erinnerung bleiben. Danke!

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4 Gedanken zu “Am Ende des Tages

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