Professionalität im Miteinander

hands-769648_640Ja, ich lebe noch. Nach einer wunderbaren und anstrengenden Woche finde ich nun Zeit, euch und für mich zu schreiben. Diese Woche machte ich mir vermehrt Gedanken über Professionalität im Lehrerberuf und überhaupt. Es gab unterschiedliche Beispiele, die mich dazu gebracht haben, darüber nachzudenken.

Man möchte meinen, dass alle Lehrer/innen über Social Skills verfügen. Von wegen! Ich möchte nicht bestreiten, dass einige viele über diverse soziale Kompetenzen und Feinfühligkeit verfügen, aber genauso viele auch nicht. Ich möchte es heute kurz machen, daher gibt es eine Liste von negativen Auffälligkeiten im Miteinander, die mir und meinen Mit-Referendaren in den ersten Wochen an mehreren Schulen begegnet sind.

  1. Trotz einer vorherigen Zusage einer Lehrkraft zur Hospitation kam eine Absage durch den Ausbildungsbeauftragten (kurz ABB).

  2. Bei Stress wirken einige Kollegen/Kolleginnen gereizt und werden auch mal unhöflich.

  3. Jeder kämpft an seiner Front. Ja, richtig gehört! Laut Kerncurriculum NRW für Lehrer heißt es, dass Lehrer/innen „Cooping“ betreiben sollen. Pustekuchen. Als Referendar lädt jeder seinen Kram bei dir ab und hofft, dass du es gut für sie oder ihn erledigst.

  4. Informationen. Du musst dir eigentlich alles selbst ranholen oder die Leute nerven ohne Ende. Wenn du etwas nicht weißt, bist du am Ende schuld, trotz offensichtlicher Abhängigkeit zu Kollegen.

  5. Lästern. Ja, das machen auch Erwachsene. Nicht alle, aber einige. Ich denke mir nur: „Man, geh doch zu der Person selbst hin und sag ihm das ins Gesicht!“

Man mag es kaum glauben, aber das ist Realität. Schade, denn ich hatte gehofft, dass ich es nach Aushilfsjobs im Einzelhandel und nach der wissenschaftliche Mitarbeit endlich mal geschafft habe, in Kreise einzutreten, in denen gesellschaftliche Diskreditierung nicht gelebt wird. Das soll keines Wegs als Pauschalisieren gedeutet werden, aber es wird klar: Lehrer sind auch nur Menschen. Mal gute Menschen, manchmal schlechte Menschen.

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4 Gedanken zu “Professionalität im Miteinander

  1. Willkommen in der realen Welt der Lehrer an staatlichen Schulen. Diese Dinge erzählt einem an der Uni keiner, was? Lass den Kopf den Kopf nicht hängen, denn es kommt garantiert noch schlimmer. Bis jetzt bist du lediglich der Beobachter, der Wahrnehmende und der Zuhörer. In der Hoffnung, nie zu den Opfern dieses Wahnsinns zu gehören, finde schnell deinen eigenen Weg, mit dieser Realität umzugehen. Ratschläge helfen da wenig, da jede Schule eigene Charaktere und eigene Strukturen beherbergt. Den ersten schritt in die richtige Richtung hast du für dich meines Erachtens bereits unternommen, du bloggst. Du frisst deine Wahrnehmungen nicht in dich hinein, du teilst dich mit. Geteiltes Leid ist halbes Leid, ist immer wieder von Wahrheit geprägt. Wir halten uns daran, nicht zu den Lästerern dazuzugehören, sondern entweder den Rückzug anzutreten, besser den Mund zu halten oder ehrlich an geeigneter Stelle in zivilisierter Form den gesellschaftlichen Werten und Normen entsprechend Stellung zu beziehen und dann später auch dazu zu stehen. Aber in verschiedensten Situationen ist wirklich ratsamer, sich einfach nur rauszuhalten und in der Privatsphäre abzutauchen. Schule ist nicht alles, aber sie ist eine Ansammlung von wirklich zahlreichen gemeinen Menschen. Man sollte sie meiden, wo es nur geht und mit denen Kontakte pflegen, die nett sind. Stress und Nerverein treten zunehmend vor den Sommerferien auf, ein weit verbreitetes Phänomen und nicht abstellbar. In dieser Zeit einfach nur lächelnd durchs Schulhaus tigern und wenig reden – perfekt. Es denken zwar einige, man hätte einen an der Klatsche, aber man rettet damit seinen eigenen Seelenfrieden. LG aus dem Lehrercafe, heute von Ela

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  2. Tut mir leid, dass die Atmosphäre so giftig ist bei euch. Ich merke bisher zwar, dass sie alle ziemlich gestresst sind, aber negativ geäußert haben sich kaum welche übereinander. Die Refis haben so ein wenig Stress mit ihren Fachleitern teilweise … aber das wars auch. Kann ich mich wohl glücklich schätzen.

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