Durchgreifen

explosion-1325471_640Eigentlich wollte ich eine gewisse Frequenz einhalten und nur am Wochenende schreiben bzw. Beitrage posten, aber der heutige Tag lässt es nicht anders zu. Heute war für mich der Tag des Arschlochs. Ich hatte nicht einmal Lust dazu, aber ich musste richtig fies werden. Am Ende blickte ich in enttäuschte Augen. Teils waren sie wohl auch wegen mir enttäuscht, aber auch wegen sich selbst. Was war geschehen… 

In der ersten Stunde sollte ich in der Klasse einer Kollegin einspringen. Die Kollegin ist, wie es der Zufall wollte, meine ehemalige Klassenlehrerin an einer anderen Schule gewesen. Sie hatte nie vergessen, dass ich Rap-Musik gemacht habe, also bat sie mich darum, mit ihren Kleinen einen Rap zur Begrüßung der neuen 5er einzustudieren. Ganze 15 Minuten hat es bis zum Abbruch gedauert. Wieso Abbruch? Die hatten voll Bock. Die haben sich riesig gefreut, als ich das Klassenzimmer betrat, aber wie soll man so arbeiten?! Ständig mussten wir aussetzen, weil der eine oder andere sich nicht beherrschen konnte. Schlimmer war jedoch, dass mehr als die Hälfte der Klasse dann mitgezogen ist und das „Fenster“ genutzt haben, den Unterricht zu stören. In Ordnung! Dann gibt es eben die Zusatzaufgabe für die Vertretung und aus. Natürlich mit einer deftigen Standpauke, dass echte „Rapper“ sich viel mehr zusammenreißen. Wenn man das alles nicht ernst nimmt, dann eben nicht. Ich hätte auch ausschlafen können (sogar wirklich!!!). Ich blickte in enttäuschte Augen, denn einige wollten wirklich etwas machen.

6. Stunde in der 6. Klasse. Einfach? Falsch gedacht! Ich startete mit einem Fragebogen zur Lesesozialisation, da die Klasse ein Buch lesen soll. Meine Idee war es nicht, aber ok. Ich wurde wieder alleine losgeschickt in die Höhle des Löwen bzw. der wilden ADS-Kätzchen. Heute ging nichts. Ständig musste ich einzelne SuS vor die Tür schicken und mit Nachsitzen für die ganze Klasse drohen. 10 Minuten vor dem Schellen habe ich mit dem Stoff kapituliert und stellte zwei Frage: „Was wollt ihr hier und was wollt ihr nach der Schule werden?“ Es wurde ruhiger. Einige ließen sich bändigen. Ich erklärte, dass all das, was sie sich wünschen, nicht für jeden finanziell machbar wäre, wenn sie sich nicht um einen Abschluss bemühen. Sie sollen Schule als Chance wahrnehmen. Ich habe mein Herz und meine Wut ausgeschüttet über diese schlechte Stunde. Habe viel geredet über gegenseitigen Respekt. Plötzlich fängt eine Schülerin an zu weinen. Sie ist neu auf der Schule. Es sei ein Neubeginn, so heißt es. Sie wollte nicht Nachsitzen oder dass ihre Eltern erfahren, dass die ganze Klasse so ist, weil diese sonst denken, dass sie daran teilhabe. Ich beendete die Stunde. Meine nette Verabschiedung, wie ich sie sonst an den Tag legte, verkniff ich mir und sagte nur: „Tschüss.“

Enttäuschung? Ja. Auf beiden Seiten? Ich denke. Ich musste eine Rolle einnehmen, die ich niemals anlegen wollte. Jemand sein, der ich nicht sein will, aber sie zwingen mich in diese Rolle. Der strenge gemeine Lehrer. Ach, ist doch sche**** sowas… Fassungsloskeit. Sprachlosigkeit. Enttäuschung. Desillusionierung. Gute Nacht. Ich musste durchgreifen, eine Standpauke halten und mit Nachsitzen und Zusatzaufgaben drohen. Ganz toll.

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5 Gedanken zu “Durchgreifen

  1. Das kenne ich, so geht es mir auch oft. Wir könnten so gut miteinander umgehen und relativ entspannte Stunden miteinander verbringen, wenn auf beiden Seiten der nötige Respekt dazu vorhanden wäre. So muss ich auch oft zu Mitteln wie Strafarbeiten greifen, obwohl ich das doch auch überhaupt nicht will.

    P.S.: Dürft ihr in NRW Kollektivstrafen wie Nachsitzen für die ganze Klasse verhängen? Bei uns geht das (wohl aus rechtlichen Gründen) nicht (mehr?).

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