Natürliche Feinde: SuS vs. LuL

mouse-485642_640Anlass meines heutigen Beitrags ist eine komplett allein durchgeführte Unterrichts-stunde. Ja, richtig gehört! Der erste Monat ist noch nicht ganz um und ich durfte alleine in eine Klasse gehen, was natürlich auch für Verwunderung bei den SuS sorgte, als ich sagte: „Heute mache ich alleine mit euch Unterricht!“ Ich war genauso überrascht wie auch überrumpelt. Ich habe die Anfrage zwar ohne Zögern angenommen, aber wusste zu diesem Zeitpunkt selber nicht, was auf mich zukommen wird…

Es begann ein Katz-und-Maus-Spiel. Die SuS versuchten ihre Grenzen auszureizen, aber die Gründe lagen für mich auf der Hand. Zunächst steht da jemand, der bislang wenn überhaupt nur angeleitet unterrichtet hat, ergo die Lehrkraft (ich) war immer mit einem Backup (der eigentlichen Lehrkraft) im Unterricht. Es folgten Anfragen über Platzwechsel, die einen oder anderen versuchten ihre Namen zu tauschen oder falsch anzugeben (Schade! Ich kannte eure Namen schon.) und die sonst so gut funktionierenden Rituale wurden einfach über Bord geworfen. Ich wollte partout nicht mit über Bord gehen, sonst hätte ich für immer verloren. Ich bat zwei mal darum, sich vernünftig Begrüßen zu können. Ein drittes Mal wollte ich meine Stimme nicht erheben. Und Ausflippen? Auf keinen Fall. Wieso auch?! Ich schrieb kommentarlos einzelne Namen mit Strichen versehen an die Tafel. Es kehrte sehr schnell Ruhe ein. „Wieso stehe ich an der Tafel? Oh, bitte streichen Sie mich wieder weg“ wurde mir daraufhin entgegnet. Sie wussten selber, wer oft auffällt und mehrfach den Unterricht stört, wird nach Hause geschickt. Ich habe es mir aber auch nicht ausgedacht. Einige der Jungs durften den Vormittag teils vor den Klassenräumen verbringen, also handelten wir aus, dass jeder, der mitarbeitet, am Ende der Stunde von der Tafel gestrichen wird und es keine Konsequenzen geben wird. Der eine oder andere sah darin Motivation, während ein kleiner Teil der Störenfriede sich nicht davon beeindrucken ließen. Ist auch okay! Egal, das Ziel war erreicht und wir konnten durchstarten. Was die Kinder nicht wussten: Ich hätte sowieso niemanden gemeldet.

Lehrer vs. Schüler oder auch natürliche Feinde. Schule ist doof. Schule ist langweilig. Wieso machen wir jetzt langweilige Sachen mit dem alten langweiligen Buch? Ja, Kinder! Ich finde das alles auch tierisch langweilig, aber die Rahmenbedingungen geben mir nicht die Möglichkeit, anders mit euch zu interagieren. Zumindest jetzt. Ich kann auch nicht versprechen, dass es besser wird, aber ich kann mich bemühen. Fakt ist, ich konnte mich als Schüler auch nicht den halben Tag mit eintönigem Lernen auseinandersetzen. Das konnte ich nicht mal in der Uni dauerhaft durchziehen. Vielleicht fehlen die nötigen Ressourcen, um Bildung als Privileg zu empfinden. Vielleicht ist Zuhause gerade alles besch… nein, bescheiden. Es kann in diesem Moment 1000 Gründe geben. Also drehen SuS auch mal durch und dann schickt der Doofmann vor der Tafel auch mal jemanden vor die Tür, schreibt ihn an oder gibt eine schlechte Note. Natürlich ist der Lehrer dann auch noch schuld. Warum sollte ich jedoch die Contenance bewahren? Ich weiß anders als die SuS, dass wir in einem Team spielen. Ich bin im Vorteil, da ich denke, die Gründe zu kennen und fällt es mir leichter Empathie zu entwickeln. Ich persönlich habe Nachsicht mit meinen SuS. Die Stunde ist für mich am Ende vorbei. Auf dem Pausenhof, auf dem Gang oder sonst wo auch immer ist für mich alles cool. Sicherlich wird der eine oder andere weiterhin schwer bleiben. That’s Life! Einige sind speziell und andere wiederum sehr einfach. Gehe ich aber mit dem gleichen schlechten Gefühl aus der letzten Stunde erneut in die kommenden Stunden, schaffe ich mir ein Bild, dass vielleicht gar nicht auf die Kinder zutrifft. Das Bild kann dann zu Überreaktionen führen und daraus resultiert evtl. ein Teufelskreis. Auf Gewalt folgt Gewalt oder so ähnlich und so weiter.

Was mir nun bleibt und was ich mir künftig zu Herzen nehmen werde: Neue Stunde, neues Glück! Es liegt jedoch in unserer Natur, dass wir bis zu eurem Abschluss keine Freunde werden! Müssen wir aber auch nicht. Meine Aufgabe ist es euch zu begleiten, bis ihr alleine in unserer Gesellschaft klar kommt und das bereitet mir Freude! Deswegen bin ich euer Lehrer bzw. möchte einer werden. Und jetzt ab in die Pause!

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2 Gedanken zu “Natürliche Feinde: SuS vs. LuL

  1. Schön beschrieben die Erfahrungen mit den Schülern. „Neue Stunde, neues Glück!“ sehe ich allerdings nicht so, denn die Erfahrungen der Vorstunde können durchaus in die kommende Stunde hineinspielen.
    Als Lehrer finde ich den Teil des beständigen Austestens und Aushandelns nervig. Mir persönlich fällt es nicht leicht, diesen Punkt zu erkennen, wo man handeln muss, um das Kind nicht in den Brunnen fallen zu lassen.
    Langweilige Lerninhalte und Schulbücher sehe ich auch als Problem. Wenn ich selbst schon ein Buch öde finde, fällt es mir schwer, die Schüler dafür zu begeistern. Also suche ich nach Auswegen und arbeite mit anderen Materialien, wo möglich. Diesen Luxus kann ich mir allerdings nur erlauben, da ich nicht mit voller Stundenzahl unterrichte.

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    1. Danke für deinen Beitrag! Sehe ich alles genauso, aber ich finde schon man sollte einen Reset machen. Klar, die, die immer mist machen, behält man im Kopf, aber man weiss auch nicht was in deren Köpfen passiert. Schwierig. Ich hoffe, ich werde künftig einfachere Stunden in besagter Klasse haben.

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